Xuan-Yuan Sword ist eine traditionsreiche chinesische Rollenspiel-Reihe, die seit 1990 vom taiwanesischen DOMO-Studio entwickelt, und über das in Taipeh, Taiwan beheimatete Softstar Entertainment gepublisht wird. Zusammen mit der hauseigenen Chinese Paladin/The Legend of Sword and Fairy-Marke bildet Xuan Yuan Sword gewissermaßen die Säulen des chinesischen Rollenspiels – das Zweigespann wird häufig auch als „Twin Swords of Softstar“ betitelt. Beide Reihen starteten im Ursprung Anfang bzw. Mitte der 1990er Jahre auf DOS-Systemen und wurden im chinesischsprachigen Raum durchschlagende Erfolge, die zahlreiche Spin-Offs hervorbrachten. Die Langlebigkeit und die popkulturelle Bedeutung im chinesischen Raum ließen oft den Vergleich zu, dass es sich bei „Chinese Paladin“ und „Xuan-Yuan Sword“ um die chinesischen Pendants zu Final Fantasy handeln würde. Im europäischen und nordamerikanischen Raum hingegen fristeten beide Spielereihen, aber auch das CRPG-Genre im Allgemeinen, ein hoffnungsloses Nischendasein. Erst vor wenigen Jahren hat sich der Hong Konger Publisher EastAsiaSoft daran gewagt, beide Reihen schrittweise für den westlichen Markt zu lokalisieren. Legend of Sword and Fairy 7: Together Forever von 2021 ist ein tolles Rollenspiel-Kleinod gewesen und auch das 2020 erschienene Xuan-Yuan Sword VII, das in Kürze für Nintendo Switch portiert wird, wartet mit State-of-the-Art Grafik und toller Inszenierung auf. Bei EastAsiaSoft scheint man das Potential erkannt zu haben: So wird nun offenbar auch nach und nach der Back-Katalog der Reihen lokalisiert. Für Nintendo Switch und PC ist vor kurzem eine Umsetzung des dritten Teils von 1998 erschienen. Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains basiert hierbei auf einem 2017 erschienenen Remaster für Mobile Devices, das allerdings nur in chinesischer Sprache verfügbar war. EastAsiaSoft hat uns freundlicherweise einen Nintendo Switch-Key zur Verfügung gestellt und wir schauen mal, ob das Retro-RPG in der remasterten Fassung anno 2023 noch taugt.
Eine außergewöhnliche Erzählung, die europäische, arabische und fernöstliche Geschichte miteinander verbindet
Die meisten Titel der Xuan Yuan Sword Reihe spielen dezidiert in China zu unterschiedlichen historischen Epochen. Der jüngste Teil von 2020 etwa beackert eine Zeit zum Ende der westlichen Han-Dynastie hin, die als Höhepunkt des Kaiserlichen Chinas gilt. Mists Beyond the Mountains geht indes einen gänzlich anderen Weg – und versetzt uns an die Übergangsschwelle der europäischen Spätantike zum Frühmittelalter.

Die Reise des fränkischen Soldaten Septem beginnt im frühmittelalterlichen Venedig © Softstar Entertainment © EastAsiaSoft
Wir beginnen unsere epische Reise in Venedig im Jahre 749 und schlüpfen in die Rolle von Septem, einem fränkischen Soldaten aus dem Gallischen Gebiet, der undercover im Auftrag von Pippin dem Jüngeren, einem fränkischen Hausmeier aus dem karolingischen Geschlecht ist (tatsächlich nicht weniger als der Vater von Karl dem Großen). Die von dem Merowinger Chlodwig I. angestrengte Christianisierung hat in Xuan Yuan 3 bereits gewaltsame Züge angenommen, die in der Geschichtsschreibung eher an die späteren Sachsenkriege von Karl dem Großen oder an die Reconquista erinnert. Auf dem Marktplatz von Venedig werden regelmäßig vermeintliche „Ketzer“ („Heretics“) auf dem Scheiterhaufen verbrannt, etwa arabische Patriziere. Auch Septem gegenüber werden durch sein Äußeres gewisse Ressentiments gehegt, denn er habe ein „östliches Aussehen“. Tatsächlich bleibt Septems Herkunft lange Zeit vage – nur ein althergebrachtes fernöstlich anmutendes Bronzegefäß ist ein Indiz für seine Herkunft. Klar, dass das Ding ein Geheimnis birgt.

Das Kampfsystem erinnert an die ATB-Kämpfe aus früheren FF-Titeln, die handgezeichneten Kampfscreens wirken aber ein bisschen ausgewaschen © Softstar Entertainment © EastAsiaSoft
Die Dinge geraten ins Rollen, als Septem eine Reihe von Andersgläubigen und anderen Unglücklichen befreit und sie so vor dem sicheren Tod bewahrt. Das zieht die Aufmerksamkeit des ritterlichen Großoffiziers Miles auf sich, der im Dienste der Kirche als unbarmherziger und loyaler Inquisitor agiert. Natürlich haben er und Septem bereits eine einseitige Vergangenheit – denn die Angebetete von Miles ist eine holde Jungfrau namens Lilian, die Septem einst vergeblich umwarb. Dafür aber hat Pippin, der hier eine väterliche Mentorenrolle einnimmt, Septem mit einer wichtigen Aufgabe betraut. Er soll gen Osten ziehen, um Kenntnis einer besonderen militärischen Strategie zu erlangen, den „Weg des Königs“ – hier bleibt die englische Lokalisierung reichlich vage.
Der Konflikt mit Miles und den merowingischen Truppen sorgt dafür, dass er den europäischen Kontinent mitsamt der befreiten Kompagnons verlässt. Das ist dann auch der Punkt, wo die bislang eher bodenständig gehaltene Geschichte den Schwenk ins Göttlich-Überweltliche wagt: Die Flucht gelingt ihm nämlich nicht zuletzt aufgrund seiner Begleiterin Nicole, einer etwas dümmlichen und später auch hoffnungslos eifersüchtigen Dämonin, die von einem alten Mann beschworen wird, der es bei der Befreiungsaktion nicht geschafft, und vor seinem Ableben für den nötigen Support sorgt. Doch auch Nicole ist nicht ohne Auftrag: So soll Septem ein früheres Ich als Satans rechte Hand gehabt haben – und die Unterwelt will ihren einstigen Zögling auch bitte wieder zurückhaben. Doch als Septem sich dem widersetzt, steht auch Nicole, die Gefühle für Septem entwickelt hat und ihn deshalb begleitet, auf der Abschussliste.

Einen Schwenk ins Göttlich-Übernatürliche gibt es spätestens mit dem Auftritt der kindlichen Dämonin Nicole © Softstar Entertainment © EastAsiaSoft
Das Abenteuer führt Septem und seine mal menschlichen, mal göttlichen Begleiter*innen aus Europa hinaus, in den Arabischen Raum (etwa in die Region um Irak und Syrien), wo just die Abbasidische Revolution (Die Bewegung der Männer im schwarzen Gewand) im Gange war, die den Sturz des Umayyaden-Kalifats bedeutete. Auf dieser Odyssee lernt wir auch seine spätere Frau Widad kennen, die fiktive Tochter von Chālid ibn al-Walīd, einem Militärführer und Weggefährten Mohammeds. Diese ist, wie ihr Vater, eine Heerführerin, die sich allerdings gegen die patriarchalen Traditionen ihrer Kultur gestellt hat. Letztlich führt uns die epische Reise über derlei Umwege bis nach China in der Tang-Dynastie, wo wir u.a. mit der An Lushan Rebellion konfrontiert werden. Auch hier treffen wir immer wieder auf historische Figuren wie z.B. Li Jing oder Gao Xianzhi, die mit fiktionalisierenden Elementen angereichert werden. Der Konflikt zwischen der mythologischen und der realen Welt, die bei Mist Beyond the Mountains immer wieder miteinander kollidieren, sitzt dabei unserer Party auch im Nacken.
Ich empfand Xuan-Yuan Sword: Mist Beyond the Mountains erzählerisch als unglaublich spannend, weil ich kein narratives Spiel kenne, das verschiedenste Geschichtsschreibungen, Religiöse Themen, Kulturräume und ihre jeweiligen Mythologien so umfassend zusammenbringt. Auch wenn Xuan Yuan Sword 3 historisch nicht allzu akkurat ist, und eher auf geschichtliche Versatzstücke setzt, habe ich mich immer wieder dabei ertappt, wie ich bestimmte Figuren oder ereignisgeschichtliche Zusammenhänge nachgeschlagen habe (etwa zur Abbasidischen Revolution, zur merowingisch-karolingischen Geschichte und zur An Lushan Rebellion). Allein deshalb hat die einzigartige Story, die den Bogen zwischen okzidentaler und orientalischer Geschichte spannt, absoluten Mehrwert.

Wir können mit dem Spirit Fusion Pot sowohl Items als auch gezähmte Kreaturen miteinander kombinieren © Softstar Entertainment © EastAsiaSoft
Die Charaktere sind m.E. vielschichtig und handeln jeweils aus nachvollziehbaren Gründen, fischen durchaus auch in angenehmen Maße in moralisch trüben Gewässern. Gerade Septem ist ein angenehm pragmatischer und realistisch gezeichneter Typ, der sich angenehm vom typischen Helden abgrenzt, gleichzeitig aber auch kein edgy Zyniker ist. Zwar werden bekannte Archetypen bedient, die man auch aus japanischen Rollenspiel kennt, und auch beim mitunter eher albernen Humor in einer ansonsten ernsthaften Erzählung, orientierte sich Xuan Yuan Sword 3 schon damals an den japanischen Titeln, im Wesentlichen steht Xuan-Yuan Sword aber auf sehr eigenen Beinen, für die ich tatsächlich keinen Referenztitel nennen könnte.
Viele Rezensionen haben beim ursprünglichen PC-Port vom Juli 2023 noch kritisiert, dass die Übersetzung ziemlich mies sein soll und dass das wohl vor allem an der maschinellen Lokalisierung von EastAsiaSoft lege. Ich weiß nicht, ob die Übersetzung für den Release Ende 2023 nochmal überarbeitet worden ist, aber ich habe jetzt keine allzu kritischen Punkte entdecken können, welche die Story inhaltlich in irgendeiner Form verzerren dürften. Bei den Bezeichnungen gibt es definitiv Stolperer: Aus einem Chalid ibn al-Walīd wird beim Spiel ganz schnell Chalid ibn al-Kelly, und auch ein paar Itembezeichnungen wirken ungelenk, weitestgehend habe ich hier aber wenige Probleme vernommen. Vielleicht hätten einzelne Szenen mit einer versierteren Lokalisierung emotional mehr Gewicht, dramatische Spitzen wie die Aerith-Sequenz bei Final Fantasy 7 gibt es hier nicht.

Neben einer epischen Reise von Europa, über den nahen Osten bis nach China, geraten wir in einen Konflikt mit der Unterwelt © Softstar Entertainment © EastAsiaSoft
Ansonsten bleibt aber noch zu sagen: Das Spiel ist ausschließlich auf Englisch lokalisiert, es ist relativ textlastig und verweist eben viel auf historische und mythologische Zusammenhänge – etwas mehr als Schulenglisch wird also bei Xuan Yuan 3 durchaus vorausgesetzt, um nicht permanent nachschlagen zu müssen.
Zu wenige Erklärungen beim Story-Fortschritt
Kommen wir nach den eher positiven Seiten zum größten Kritikpunkt: In Mists Beyond the Mountains wird eindeutig zu wenig erklärt. Die spannende, und wendungsreiche Grundhandlung funktioniert für sich ganz gut – aber die NPCs und Questgeber liefern zu häufig zu wenig Hinweise, wo es für einen als nächstes hingeht. Allzu oft ist es reines Trial & Error, ob man nochmal zu einem bestimmten Punkt muss, um eine Cut Scene zu triggern. Angesichts des Umstandes, dass die einzelnen Abschnitte des Spiels und die offene Map relativ kompakt anmuten, wirkt es, als hätte man damit einfach die Spielzeit verlängert. Zudem fühlt sich der Fluss der Handlung durch diesen Umstand ein wenig abgehackt an, weil man teilweise eine halbe Stunde bis Stunde dafür verbrät, zum richtigen Ort zu kommen und dann beinahe wieder vergessen hat, was der Stand der Dinge ist. Das „Journal“, das die aktuelle Quest anzeigt, ist hierbei leider keine große Hilfe. Das Ding mit den eher vagen Erklärungen zieht sich als Kritikpunkt durch alle Stützpfeiler des Rollenspiels.
Klassisches 90s Rollenspiel mit einem kleinen Hauch Persona
Damals in chinesischen Rollenspielen recht unüblich, bringt Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains ein rundenbasiertes Active Time-Battle System mit, wie man es auch aus früheren Final Fantasy-Teilen kennt. Das heißt, wie in traditionellen 90s Final Fantasy-Spielen gibt es einen Balken, der sich erst füllen muss, bevor wir unsere Kampfhandlungen ausführen können. Unsere Party kann bis zu vier Partymember umfassen, die Dämonin Nicole ist unsere erste Weggefährtin.
Dreierlei Werte gilt es hier zu beachten: Health (im Grunde die klassische Gesundheitsleiste), Spirituality („Geist“ aka Magiepunkte oder MP) für die Anwendung von verschieden gearteten Fähigkeiten, sowie Vitality für die Beschwörung von gezähmten Monstern. Neben den regulären Zaubersprüchen, die Offensiv- und Regenerativ sein können, gibt es noch sogenannte „Ultimate“-Skills, die aufgeladen werden müssen, und entsprechend wirkmächtig sind. Bestimmte Ausrüstungsgegenstände können durch entsprechenden Einsatz im „Mastery Level“ steigen und neue Fähigkeiten und Buffs freischalten. Die Kämpfe sind, typisch von JRPGs inspiriert, Zufallsbegegnungen. Der Schwierigkeitsgrad in den Kämpfen ist weitgehend sehr moderat (was keinesfalls gängig für 90er Jahre RPGs ist), bei Bossen zieht er dann aber immer wieder merklich an. Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains ist nicht super grindlastig, aber für Bossfights muss man dann ggf. doch ein bisschen hochleveln. Hier macht es dann auch durchaus Sinn, dass ausnahmslos alle Figuren der Party mit Heil-Fähigkeiten ausgestattet sind.
Eine recht einzigartige Besonderheit von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains, die ein bisschen an die Persona- bzw. Shin Megami Tensei-Titel von ATLUS erinnert, ist der Umstand, dass man über eine besondere Fähigkeit verfügt: Mit dem Erhalt des „Geisterfusions-Behältnisses“ (Spirit Fusion Pot) können wir Monster und Kreaturen zähmen, die uns begegnen. Ähnlich wie in Pokémon müssen wir die gegnerischen Kreaturen erst schwächen, ehe wir sie in das Gefäß aufnehmen können. Mit dem Fusionieren von unterschiedlichen Monstern und Items können wir jeweils neue, stärkere Kreaturen und Objekte beschwören. Die Kreaturen werden Item-ähnlich im Inventar abgelagert und bis zu zwei können pro Kampf beschworen werden, sodass diese uns im Kampf KI-gesteuert unterstützen. Zudem können bis zu zwei Monster an unsere Crew als Ausrüstungsgegenstände gekoppelt werden, die unsere Werte entsprechend beeinflussen. Passend zum kulturenübergreifenden Plot ist der Monster-Katalog in einen westlichen und einen östlichen Strang aufgeteilt, den man entsprechend miteinander kombinieren kann. Das Monster-System ist beileibe nicht so komplex wie bei Shin Megami Tensei- oder Pokémon, aber es ist eine schöne Ergänzung, die ich anfänglich nicht erwartet habe.
Ab und an gibt es bei Mists Beyond the Mountains auch kleine Rätseleinlagen: Mal sind es Schalter- und Schieberätsel, manchmal auch durchaus knackige mathematische Aufgaben. Wo man merkt, dass abseits der reinen Übersetzung aber keinerlei Lokalisierungsarbeit geleistet worden ist, sind so Quiz-Sequenzen, die von Europäer*innen mit eurozentrischem Geschichtsbild einfach nicht vernünftig beantwortet werden können. Aber hey, wozu gibt es Guides?
Bleibt also abschließend zu sagen: Das Rad neu erfunden hat Mists Beyond the Mountains schon 1998 nicht, und erst recht nicht 2023 – aber die ATB-Mechanik funktioniert, die Spirit Fusion ist eine nette Dreingabe und die allgemeine Spielerfahrung ist mit einer angenehmen Grind-Kurve verbunden. Insofern, komplett solide Experience.
Technik mittlerweile auf okayem Niveau, paar Schlampigkeiten bleiben aber
Die Steam-Reviews zu Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains bemängeln die kaputte Technik in der ursprünglichen Steam-Fassung – das Spiel würde oft abstürzen, es gäbe trotz Retro-Optik Slowdowns und keinerlei Einstellungsmöglichkeiten. Mittlerweile sind diese technischen Unzulänglichkeiten aber wohl behoben worden. Die Nintendo Switch-Fassung läuft ziemlich stabil, Abstürze oder Probleme mit den Savegames gab es im Spieldurchgang keine.
Visuell ist das Ding eigentlich recht hübsch und charmant geraten. Ich habe keinen Vergleich zur Ur-Version (diese liegt der Steam-Fassung als DLC bei), aber empfinde, dass die Semi-Pixel Optik, mit ihrem handgezeichneten Look gerade in den Städten gut funktioniert. Die Farben sind knallig, die Umgebungen vielfältig designt – leider gibt es aber keine Referenzen zu den echten Städten bzw. Republiken: Auch wenn die Gestaltung von Venedig objektiv ganz hübsch ist, gibt es wenige optische Verweise auf die Geschichte der Region. Klar, es gibt wenige visuelle historische Zeugnisse der Städte im ersten Jahrhundert, aber hier hätte ich mir mehr gewünscht. Auch die Menüstruktur und die entsprechende Gestaltung mutet eigentlich ganz nett an und erinnert ein wenig an ältere Suikoden-Titel. Die über Textboxen ausgetragenen Dialoge werden mit entsprechenden Charakterportraits bebildert. Die Zeichnungen wirken hier aber irgendwie ausgewaschen und müssen oftmals mit so merkwürdig weißen Rändern vorliebnehmen. Das wirkt, als hätte man die alten Portraits straight in das remasterte High Definition-Remaster reingeknallt, ohne diese nochmal entsprechend in der Farbgebung und Auflösung anzupassen. Auch die offenbar handgezeichneten Battle-Screens wirken ein wenig blass – Den Style kann man mögen, weil die Hintergründe mit vielen kleinen Details glänzen, die Modelle der Partymember und Monster hätten aber etwas modernisiert werden können.

DIe CGI-Sequenzen sind Kinder ihrer Zeit und natürlich hoffnungslos veraltet © Softstar Entertainment © EastAsiaSoft
Leider wirken die Laufanimationen der Protagonisten irgendwie ruckelig. Septem bewegt sich zwar ziemlich flott über die Karten, es wirkt aber, als hätte man zugunsten des Tempos Animationensphasen rausgeschnitten. Etwas ähnliches ließ sich bereits beim wesentlich neueren Legend of Sword and Fairy 7 beobachten, wo das Treppensteigen der Charaktermodelle ebenfalls ein wenig buggy aussah. Offenbar ist das ein Bereich, wo Softstar bzw. Domo generell ein paar Probleme haben.
Was tatsächlich ein bisschen unprofessionell wirkt, ist das „Lettering“ – Die genutzten Fonts sind teilweise ziemlich unbeholfen formatiert und in bestimmten Momenten auch schlecht lesbar. Hier hätte ich mir gewünscht, dass man ein bisschen mehr Sorgfalt hätte walten lassen.
Ansonsten gibt es in vereinzelten dramatischen Szenen (hier sei etwa eine Seeschlacht bei der Flucht aus Venedig genannt, die uns an einer geheimnisvollen versunkenen Insel zerschellen lässt) „cineastischere“ CGI-Sequenzen, die aber relativ niedrig aufgelöst sind und an denen der Zahn der Zeit ordentlich genagt hat.
Toller Soundtrack und Retro-Sprachausgabe
Beinahe alle jüngeren Softstar/DOMO-Produktionen haben einen grandiosen Soundtrack – und auch Mists Beyond the Mountains kann an dieser Stelle punkten: Der Soundtrack wartet mit orchestralen Arrangements auf, und greift die Dramaturgie der Geschichte zumeist hervorragend auf: In Dungeons begleiten uns mysteriöse Klänge, die Kampf-Sequenzen haben ordentlich Drive und die einzelnen Abschnitte des Spiels (Europa, Naher Osten und China) werden mit entsprechender Instrumentierung vertont. Das grundsätzliche Motiv einer epischen Reise wird gekonnt über die Musik übermittelt, und mit einer melancholischen Note versehen. Leider gibt es in der Switch-Fassung ab und einen Bug, dass der Loop eines Themes sehr willkürlich abbricht, und von neuem startet.
Sehr retroesque wirkt die Stimmausgabe: Im Spiel wird größtenteils über Textboxen kommunziert, aber in den Kämpfen gibt es hin und wieder One-Liner von den Protagonisten zu hören. Die Audio-Dateien sind hier ziemlich stark komprimiert und wirken entsprechend verrauscht. Damit fühlt man sich direkt in die 90er zurückversetzt.
Fazit:
Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains ist ein nettes Remaster eines chinesischen Rollenspiel-Oldies von 1998. Vor allem die Geschichte, die im europäischen Frühmittelalter beginnt, uns über den Arabischen Raum bis nach China verschlägt, ist einzigartig und hat mit zahlreichen historischen und religiösen Verweisen einen einzigartigen Ansatz des Storytellings. Das ist historisch nicht immer akkurat, wird aber mit überweltlichen Elementen rund um Geister, Dämonen und die Unterwelt vermengt. Wir haben interessant gezeichnete Charaktere, ein paar romantische Momente und eine insgesamt recht humanistische Botschaft. Die Lokalisierung, die gängiger Kritikpunkt an der Steam-Version ist, ist bei weitem okayer, als ich es erwartet habe, auch wenn einzelne Bezeichnungen vielleicht ein bisschen off wirken. Emotional ist Xuan Yuan Sword 3 nicht ganz so überschwänglich wie japanische Pendants, vielleicht liegt das an der Übersetzung, vielleicht ist das einfach eine Stilfrage. In allen Fällen scheint EastAsiaSoft beim Switch-Release lokalisierungstechnisch nachgeholfen haben. Einen erheblichen Kritikpunkt gibt es dann aber doch: Handlungspassagen sind zu wenig miteinander verbunden, das Spiel erklärt zu wenig, wohin es als nächstes geht; es kommt immer wieder zu Situationen, wo man ein bisschen auf dem Schlauch steht, wo der nächste Plotpoint getriggered wird. Spielmechanisch erinnert Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains mit seinem Active Time Battle-System an Final Fantasy-Titel der 90er, hat eine recht angenehme Lern- und Levelkurve und mit dem Zähmen von Monstern gibt es dann noch eine interessante Mechanik, die an Shin Megami Tensei erinnert. Technisch und optisch ist das Remaster weitgehend in Ordnung: Zwar wurden die Dialogboxen, die Kampf-Screens und die altbackenen CGI-Sequenzen nicht merklich überarbeitet, der farbenfrohe Semi-Pixel-Look sieht aber insgesamt immer noch ziemlich knuffig aus. Störend finde ich die merkwürdigen Laufanimationen von Septem, die wirken, als würden Animationsphasen übersprungen werden, sowie die unbeholfene Nutzung der Fonts, die irgendwie billig wirkt. Kann man über diese Schwächen hinwegsehen und hat Lust auf eine einnehmende Story, kann man Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains aber auf jeden Fall eine Chance geben, vor allem weil der Budget-Preis von knapp 15 EUR ziemlich attraktiv ist.
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Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains [Nintendo Switch]
Grafik - 6
Story - 7.8
Technik - 6.2
Umfang - 7.9
Spielspass - 7
7
Erzählerisch interessantes Retro-Rollenspiel aus Taiwan, das zwar technisch veraltet ist, und spielmechanisch keinesfalls das Rad neu erfindet, für 15 EUR aber ein verdammt okayer Deal ist.