Gamescom 2022: Zu Besuch bei Krafton und Striking Distance Studios – The Callisto Protocol

Mit The Callisto Protocol erwartet uns voraussichtlich am 02. Dezember 2022 ein blutiges Sci-Fi Horrorfest, das vor allem Fans der Dead Space-Reihe ansprechen dürfte. Kein Wunder, denn Striking Distance Studios Gründer Glen Schofield ist tatsächlich auch der kreative Kopf hinter der Dead Space-Reihe, die damals von Visceral Games und Electronic Arts als vielversprechende Survival Horror-IP angedacht war, nach dem mäßig angenommenen dritten Teil aber fallen gelassen wurde. Während Electronic Arts parallel an einem Remake des Erstlings arbeitet, wurde zu The Callisto Protocol nun ein längeres Gameplay gezeigt, das partiell so bereits auf der Gamescom Opening Night gezeigt wurde.

The Callisto Protocol wird ein Gorefest

Marcel und ich durften uns das rund 15-minütige Gameplay anschauen und wollen unsere Eindrücke vermitteln. Die gezeigte Gameplay-Sequenz legt den Schwerpunkt ganz klar auf die Kampfmechaniken im Spiel – das umfasst einerseits den brachialen Melee-Combat-artigen Nahkampf, das Mutationen-System, aber auch die Implementierung der Umgebung.

Die Kreaturendesigns sind zunächst einmal schön widerwärtig – Sie erinnern tatsächlich an die bekannten Necromorph-Variationen in Dead Space und bewegen sich unterschiedlich fort, sei es an Decken oder am Boden. Sie kriechen, kraxeln, greifen an und ergreifen auch gerne mal die Flucht, um dann aus den Schatten neue Angriffe zu initiieren. In der Sequenz griff der bullige Protagonist, der an einen Häftling erinnerte, sowohl mit sperrigen Nahkampf-Tools, als auch mit Schusswaffen an. Die Kampfmechanik wirkte reaktiv und war ein brachialer Tanz aus Dodge und Angriff. In seiner Brachialität hat der gorige Spaß durchaus Erinnerungen an Condemned: Criminal Origins hervorgerufen. In diesem Zuge wurde auch das Mutationen-System gezeigt.

Tentakeln, die aus den Körpern der Kreaturen wuchern, deuten darauf hin, dass irgendwas ein wenig off ist – sie sind ein Indiz dafür, dass die Monstrositäten kurz vor einer Mutation sind, die sie nochmal wesentlich gefährlicher macht. Es gilt also, diese Wucherungen zu erkennen und zu beseitigen. In der Sequenz wurde zudem eine Quick Time Event Passage gezeigt, in welcher die hervortretenden Tentakeln den Protagonisten erfassen, was mit entsprechenden Buttonprompts abgewendet werden kann. Bei den Waffen gibt es auch Gravitation-Gun-ähnliche Tools, mit denen wir Gegner oder Objekte zu uns heranziehen können, um dann gezielt Angriffe auszuführen.

Dabei macht The Callisto Protocol keine Gefangenen und dürfte die Gorehounds in uns befriedigen. Da werden Leichen gezielt aufgeschnitten und aufgestochen, um Ressourcen zu plündern. Die Kreaturen können um Gliedmaßen kürzer gemacht werden, greifen uns aber teilweise auch kopflos noch an.

Animationen sind zweischneidiges Schwert

Die Animationen sind dabei ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gefallen mir die Idle Animations, etwa an den Upgrade-Stationen, wo wir unsere Waffensysteme hochleveln oder umrüsten können. Jede Animation fühlt sich plausibel und lebensnah an.  Andererseits fühlt sich der normale Gang unseres Protagonisten merkwürdig hüftsteif an. Er rennt immer hölzern geduckt und als hätte dieser irgendwelche schweren Objekte unter die Achseln geklemmt. Allgemein sind auch die mimischen Animationen seltsam limitiert. Der Charakter schaut generisch aus, merkwürdig bullig und erinnert an Deutschrapper Kollegah. Hier darf also gerne nachgebessert werden, damit der Protagonist ein wenig mehr Profil bekommt.

Mehr Profil könnte auch die „Raumstation“ vertragen, auf der wir uns befinden. Denn die klaustrophobischen dunklen Gänge, das flackernde Licht, die retrofuturistischen Displays, die Schatten kennt man spätestens seit Doom 3, aber eben auch vom geistigen Vorbild Dead Space.

The Callisto Protocol: Diese walzenartige Konstruktion kann genutzt werden, um die Kreaturen zu zerfleddern.

@ Striking Distance Studios @ Krafton

Umso spaßiger wirkt aber die Nutzung der Umgebung. An einer Stelle sehen wir eine Apparatur, die walzenartig konstruiert ist und mit Stacheln versehen ist. Der obere Teil ist mit Rotoren versehen, die wie Deckenventilatoren anmuten. Wir können nun einen Gegner mit der Gravitation Gun heranziehen, in die Walze reinschmeißen – und als nettes Detail gibt es über die Rotoren eine ordentliche Blutfontäne.

Dynamische Sequenzen

Bei The Callisto Proctocol gab es dann abschließend noch eine Sequenz, in der wir eine Art Schacht mit reißendem Abwasser hinuntergerutscht sind. Das erinnerte in dieser Form an einzelne Passagen aus den moderneren Tomb Raider Teilen. In diesen interaktiven Sequenzen müssen wir Hindernissen wie Säulen ausweichen, was passiert, wenn wir da nicht erfolgreich sind, sieht man in der Abschlussszene des gezeigten  Gameplays: Beim digitalen Exitus wird uns der Unterleib abgeschnitten.

The Callisto Protocol: Die intensiven Scharmützel werden durch interaktive Sequenzen aufgelockert, hier werden wir einen Schacht heruntergespült.

@ Striking Distance Studios @ Krafton

 

Unsere Meinung: The Callisto Protocol kann sich sehen lassen, aber nicht ganz von den Dead Space-Wurzeln emanzipieren. Das aber will man offenbar auch gar nicht, denn Glen Schofield selbst sagte sinngemäß, dass dieses Projekt vom Grundsatz her auch ein Dead Space 4 sein könnte. Der Gore und der stärkere Fokus auf Nahkampf haben uns gut gefallen, weniger hingegen der etwas generisch anmutende Artlook. Ausgehungerte Sci-Fi Horror-Enthusiasten und Fans der Dead Space-Reihe werden im Dezember aber definitiv ihre Freude mit The Callisto Protocol haben.