Film Review: The Black Phone – Kann Scott Derrickson erneut überzeugen?

The Black Phone – Sprich nie mit Fremden ist das neuste Machwerk des Regisseurs Scott Derrickson. Bereits mit seinem Film „Sinister“ aus dem Jahre 2012 gelang ihm ein Horrorstreifen, der lange als gruseligster Film aller Zeiten galt*. Mit The Black Phone zeigt er erneut, dass er wie kaum ein anderer versteht, eine furchteinflößende und durchweg spannende Atmosphäre aufzubauen und einem dann mit handwerklich ausgereiften und perfekt inszenierten Schockmomenten den Boden unter den Füßen wegzureißen.

Im Rahmen der #TheBlackPhoneTour, organisiert von Filmstarts in Kooperation mit Moviepilot, konnten wir uns schon vorab ein Bild vom neuen Film mit Ethan Hawke als Teufelsmasken-tragender Kidnapper machen.

Über das mysteriöse Telefon nimmt Finney Kontakt zu den verstorbenen Opfern des Greifers auf © Universal

Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Joe Hill, Sohn des bekannten Horror Mastermind Stephen King, der sich bereits mit „Horns“ und „Im hohen Gras“ einige Lorbeeren verdient hatte. The Black Phone ist eine wahrhaft atmosphärische Meisterleistung. Die grandiose Kameraarbeit von Brett Jutkiewicz und dersofort unter die Haut gehende Soundtrack schaffen von Beginn an ein spannungsgeladenes Klima, das bis zum Ende des Films anhält. Vor allem profitiert der Film von seinem großartigen Schauspieler*innen-Trio. Dabei wird der oscarprämierte Ethan Hawke, der hier als sentimental, ja fast weinerlich wirkender Serienkiller eine großartige Leistung abliefert, von den Kinderschauspielern sogar noch in den Schatten gestellt.

Worum geht’s?

Wir schreiben das Jahr 1978 und befinden uns in einer typisch amerikanischen Kleinstadt, irgendwo in Colorado. In der Schule kennt jeder die Geschichten vom „Greifer“ der bereits mehrere Kinder entführt hat und noch entführen wird. Auch unser 13-jähriger Protagonist Finney Shaw (Mason Thames) gerät irgendwann in die Fänge des Serienmörders (Ethan Hawke), der mit seinen schwarzen Lieferwagen durch die Straßen fährt und mithilfe von ebenso schwarzen Luftballons Kinder in seinen Van lockt.

Während die Polizei und Finneys Schwester Gwen (Madeleine McGraw) nach dem verschwundenen Teenager suchen, findet sich dieser in einem schalldicht isolierten Keller mit dem namensgebenden schwarzen Telefon an der Wand wieder. Sein Kidnapper teilt ihm zwar schon zu Beginn mit, dass jenes Telefon schon seit dessen Kindheit nicht mehr funktioniert; dennoch hört Finney nach nur wenigen Minuten das Telefon klingeln.

Am anderen Ende der Leitung befinden sich die Geister der bereits verstorbenen Opfer des Killers. Diese können sich zwar kaum noch an ihre eigenen Namen erinnern, besitzen aber dennoch genug Kraft, um Finney dabei zu unterstützen, nicht dasselbe Schicksal zu erleiden wie sie. Hier kommen auch die wenigen Schwachstellen des Films zutage. Zwar wirkt die Solidarität der Kinder untereinander aufrichtig und natürlich und Finney macht diesbezüglich auch eine nachvollziehbare Entwicklung durch, doch wirken die Geister an einigen Momenten etwas überzogen, was aber der Atmosphäre keinen Abbruch tut.

Düster und Gewaltvoll

The Black Phone ist ein durchweg düsterer, schon vor dem Kidnapping, unheilverkündender Film. Die explizite Gewalt zu Beginn des Films unter den Schülern ist ungewohnt drastisch. Als Finney von einigen Schüler*innen schikaniert wird, schlägt selbst seine kleine Schwester mit einem Stein so fest zu, dass das Blut in Strömen fließt. Daraufhin kassiert auch sie einen kräftigen Tritt gegen den Kopf.

Ethan Hawke spielt den Greifer, einen sadistischen Kindermörder © Universal

Diese Gewaltdarstellung unter Kindern ist etwas, dass der Film öfter zeigt und sicherlich auf einige verstörend wirken könnte. Die Darstellung ist häufig sehr viel härter als man es von vergleichbaren „Mainstream“ Horror-Filmen gewohnt ist. Dabei wirkt diese Schwere nicht erdrückend, eher zeigt sie ein durchaus realistisches Bild.

Bis zum Ende bleibt der Film durchweg spannend und man fiebert mit jedem Charakter mit. Man hofft am Ende, dass Finney es schafft, man freut sich über jeglichen kleinen Erfolg und trauert um so mehr, wenn Finney einen Misserfolg kassiert. Auch die Figur seiner Schwester Gwen zieht den Zuschauer in ihren Bann. Man selbst fühlt sich in die Rolle eines Hobby-Detektivs hineinversetzt und versucht mit ihr gemeinsam das Versteck des Killers auszumachen.

Auch die Schockeffekte, bei denen vor allem die toten Teenager zum Einsatz kommen, hauen richtig rein. Zwischendurch gibt es zwar einige humorvolle Momente, diese wirken aber niemals deplatziert. Vielmehr wirkt das schmerzhaft gewalttätige wie befreiende Finale dadurch noch dichter.

Fazit: Ein Cast, der wundervoll zusammen harmoniert und eine beeindruckende Leistung abliefert. Ein atmosphärisch dichter und schmerzhafter Horrorfilm, der konstant ungemütlich ist und richtig unter die Haut geht. Für Fans des Horrorgenres ein Muss, für alle anderen könnten die Gewaltdarstellungen abschreckend wirken.

 

Fazit

Regie - 8
Drehbuch - 7
Visuelles - 7.5
Score/Soundtrack - 7.5
Cast - 8.5

7.7

Atmosphärisch dichter und schmerzhafter Horrorfilm, der konstant ungemütlich ist und richtig unter die Haut geht.

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