Film Review: The Batman – Düsterer Neo Noir in Gotham City

DC und Warner Bros. haben es trotz zugkräftiger Namen im Metier der Comicverfilmungen nicht leicht. Während Disney mit dem Marvel  Cinematic Universe scheinbar mühelos einen Hit nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelt und in weiser Voraussicht alles mehr oder weniger clever miteinander vernetzt, hetzt die Konkurrenz gefühlt mit Schnappatmung hinterher. Die Versuche eines ähnlich gelagerten Universums fallen mit dem DC Extended Universe (aka Justice League Crap) bislang kläglich aus, die Einzelbeiträge wirken in Kohärenz und Qualität durchwachsen und auch das anarchische Schöpfen aus dem reichhaltigen Schurken-Portfolio kann mit Suicide Squad 2016, Birds of Prey und dem James Gunn-Reboot von ersterem wohlwollend als lauwarm bezeichnet werden. Was sich in den all den Jahren hingegen abgezeichnet hatte war die Rolle von Batman als qualitatives und umsatztechnisches Meisterstück im DC-Oeuvre. Schon Anfang der 90er hatte Tim Burton mit Batman und dem Nachfolger Batmans Rückkehr den Comicverfilmungen eine bis dato unbekannte grimmige Opulenz verliehen. Christopher Nolan bescherte dem Franchise dann mit der Dark Knight-Trilogie ein glorreiches Comeback, erdete Look und Erzählton in unterkühlten, realistischen Post 09/11-Bildern und sorgte für eine Abkehr von der campigen Naivität der frühen 00er Jahre. Todd Phillips‘ Joker-Verfilmung von 2019 trieb es dann auf die Spitze: Die ikonische Nemesis von Batman wurde hier als Hauptakteur in einem schmerzerfüllten menschlichen Drama dekonstruiert, welches sich mehr am düsteren Autorenkino eines Martin Scorsese orientierte als an knalliger Comic-Action. Nun also The Batman – inszeniert von Matt Reeves, der zuvor für die letzten beiden Teile der aktuellen Planet der Affen-Trilogie verantwortlich war und damit abermals einen Stoff verfilmt, an dem sich vorher bereits Tim Burton versuchte. In der Hauptrolle: Robert Pattinson, dem offenbar trotz herausragender Performances in Filmen wie Der Leuchtturm, Tenet oder The Devil All the Time immer noch das Stigma des funkelnden Twilight-Vampirs anhaftet und dessen Besetzung kleinere Kontroversen auslöste. Die Filmproduktion selbst blickt auch auf eine wechselhafte Historie: Ursprünglich sollte der DCEU-Batman Ben Affleck nicht nur das Drehbuch verfassen, sondern auch Regie führen und in die Hauptrolle schlüpfen. Nicht zuletzt seine Alkoholabhängigkeit kam diesen Plänen aber in die Quere, zugleich sehen wir ihn aber im Kontext des kommenden The Flash-Films in seiner 2016 etablierten Rolle als Batman nebst der Burton-Iteration von Michael Keaton. Üblicherweise sind derartige Indizien einer Development Hell dem finalen Werk nicht zuträglich, deshalb gucken wir uns im Rahmen dieser Review natürlich die wichtigen Fragen an: Kann der Film überhaupt was? Taugt Pattinson als Bruce Wayne/Batman? Gibt es mittlerweile ein Zuviel an Batman? Spoiler: Ja! Ja! Nein!

DÜSTERES GENRE MASH-UP

Warum eine weitere Batman-Interpretation auf der Leinwand durchaus Sinn macht, liegt vor allem am Drehbuch, welches Matt Reeves gemeinsam mit Peter Craig verfasste. Das Skript ringt der Batman-Mythologie Aspekte ab, die es so bisher noch nicht im Kino zu sehen gab, die aber gerade mit Blick auf die Comics absolut Sinn ergeben. So oszilliert The Batman zwischen verschiedenen Genres und liefert dabei ein stimmiges Gesamtbild: Matt Reeves verortet seinen Batman/Bruce Wayne in das zweite Jahr seiner Vigilanten-Aktivität. Obschon für die Comic-Nerds kleinere „Batman: Year Two“ -Referenzen mit eingebaut wurden, ist es vor allem die Comic-Story „Batman: Ego“, die für Reeves wohl Anknüpfungspunkt war, um den Konflikt von Bruce Wayne und seinem Alter Ego Batman zu verdeutlichen. Der von Pattinson gespielte Wayne ist nur bedingt in der Lage, eine gesunde Balance zu seinem rachegetriebenen Counterpart zu finden. Rache und die Saat von Furcht sind zentrale Motivationen, die den Batman umtreiben. Er ist nicht der strahlende und idealistische Held, den Gotham so dringend benötigt – sondern vielmehr die kaputte Ausgeburt einer kaputten Stadt. Sein Bruce Wayne ist zornig und selbstzerstörerisch – Die Haut ist fahl und wenn er dem Tageslicht entgegenblickt, tränen die geröteten Augen.  Seine selbstgesetzte Devise nicht zu töten, wird durch ein paar affektgesteuerte Schläge zu viel aufgeweicht, das Trauma der ermordeten und in diesem Falle ambivalent gezeichneten Eltern wiegt schwer – es gibt eine Wahrheit um den Philanthropen Thomas Wayne, die der Trauer und den Daddy Issues eine unsichere und wütende Komponente beimischt. Kurzum: Batman ist das Symptom einer jungen, psychisch kaputten Seele; Das durchaus konfliktbehaftete Verhältnis zu Alfred fühlt sich stärker nach Vater-Sohn Beziehung an als in den Versionen, die von Keaton, Bale und Affleck verkörpert wurden – Pattinsons Batman ist einer, der noch zu sich finden muss, um wirklich Held zu sein. Das spiegelt sich in seinem Verhalten, aber auch in seinem rohen Equipment wider, das nicht dem Hochglanz-High-Tech der Dark Knight-Trilogie entspricht, sondern mehr nach grobem DIY ausschaut. Dass all die inneren Dämonen von Bruce mit seinen Verpflichtungen als Konzernerbe kollidieren, dürfte in der Natur der Dinge liegen. Das macht The Batman zu einer düsteren Coming-of-Age Story, in der moralische und gesellschaftliche Verantwortungen stärker akzentuiert werden, und wo erstmalig die Bedeutung einer privilegierten Position stärker angerissen wird.

© Warner Bros. Pictures

 

Eine weitere Comic-Geschichte, von der sich der Film eine ordentliche Scheibe abgeschnitten haben dürfte, wird „The Long Halloween“ sein, bei welcher Batman im Fall eines Serienkillers ermittelte, der an Feiertagen zuschlug und demnach die Bezeichnung „Holiday“ erhielt. Zentraler Antagonist in The Batman ist der Riddler, der hier von Paul Dano verkörpert wird. Im Gegensatz zu Jim Carreys irrer Over-the-Top Performance im Jahr 1995 erschienenen Batman Forever spielt ihn der Charakterdarsteller Dano als intelligenten, aber äußerst labilen und psychotischen Serienmörder, der mehrstufige Rätsel an den Tatorten hinterlässt, um zu seinem nächsten Werk zu führen. Die reaktionäre Incel-hafte Motivation seiner Taten, die SAW-artigen Fallen und die durchtriebenen Rätsel lassen den Riddler wie eine grausame Mischung aus dem Jigsaw– und dem realen Zodiac-Killer erscheinen. Passend dazu inszeniert Matt Reeves The Batman auch in vielerlei Hinsicht als sich langsam entwickelnde Detektiv-Story – um dem Riddler auf die Schliche zu kommen, müssen Bruce Wayne und der von Geoffrey Wright gespielte Jim Gordon (hier zu Beginn noch kein Commisioner) Indizien vom Tatort untersuchen, Tatzusammenhänge herleiten und die Rätsel lösen.

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Das passiert in unterkühlten Bildern, die an David Fincher-Thriller wie Sieben, Zodiac und Verblendung erinnern und hervorragend zu der bisher unausgeleuchteten Facette Batmans als „world’s greatest detective“ passen, die mit Bob Kanes ursprünglicher Vision seiner „Detective Stories“ korrespondiert. Die pessimistische Grundhaltung von Bruce Wayne, die immer wieder als Voice Over aus dem Off vermittelt wird, würde hervorragend in die Textboxen über den Comicpanels passen, und der Neo-Noir Anstrich wird ebenso durch die düstere und miteinander verzweigte Unterwelt Gothams verstärkt, in der sich Figuren des organisierten Verbrechens wie Carmine Falcone (John Torturro), als auch der noch recht unbedarfte Oswald Cobblepot/Pinguin (nahezu unerkennbar: Colin Farrell) tummeln, aber eben auch zwielichtige Antiheld: innen wie Femme Fatale Selina Kyle/Cat Woman, welche die vielen Grauschattierungen Gothams markieren. Insofern ist The Batman vieles und dabei die wahrscheinlich bis dato comichafteste Umsetzung des dunklen Ritters: Finsterer Neo-Noir, unterkühlter Crime Thriller mit punktuellen Horror-Spitzen, Gangster-Drama und kaputte Coming-of-Age Story. Die knapp drei Stunden Laufzeit sind also beinahe als angemessen zu bezeichnen, um den einzelnen Bestandteilen gerecht zu werden.

GEHEIMNISSE UND OFFENBARUNGEN

© Warner Bros. Pictures

Das liegt nämlich auch daran, dass die Handlung von The Batman deutlich komplexer und breiter angelegt ist. Die bisherigen Batman-Filme waren beileibe keine simplen Filmchen und waren durchaus auch in multiple Handlungsstränge aufgezweigt. The Batman arbeitet aber anders, weil es nicht den einen griffigen Antagonisten gibt, wie etwa Scare Crow, Joker oder Bane in den Nolan-Filmen. Stattdessen pulsiert Gotham City wie ein vor sich hin siechender Organismus, der seinen Verfall zu überleben versucht. Bis in die tiefsten Poren korrupt, kann das Gotham City Police Department die steigenden Fälle von Mord, Totschlag und organisiertem Verbrechen kaum mehr eindämmen. Sadistische Gangs bevölkern die Straßen, Gassen und U-Bahn-Stationen Gothams. Die Polizei schaut weg: Politiker: innen und das GCPD sind Zahlungsempfänger für Falcones Verbrechersyndikat, zu welchem auch der Nachtclubbesitzer und Drogenbaron Oscar Cobblepot gehört, der als Pinguin erst noch die kriminelle Karriereleiter heraufklettern muss. Allenfalls der idealistische Polizist Jim Gordon ist ein Lichtblick in diesem dauerverregneten Moloch. Dabei nimmt er die Hilfe von Batman in Anspruch, der sich im zweiten Jahr seiner Aktivität als Verbrechensbekämpfer befindet. Die Kooperation wirkt: Wenn das Bat Signal am bewölkten nächtlichen Himmel erscheint, ist es ein Zeichen der Furcht. Die vermeintliche Erbarmungslosigkeit des schwarzen Rächers scheint nicht nur die Unterwelt zu ängstigen, sondern auch die unbescholtenen Bürger: innen. Es ist klar, dass die Aktivität des Batmans auch von anderer Seite nicht unbemerkt bleibt: Ein medienbewusster Serienmörder geht um. Der Riddler, dessen Botschaft lautet: „Keine Lügen mehr“. Die Sünden der Stadt sollen vergolten werden. Der offenbar psychotische Täter zielt auf das Establishment: Politiker: innen, Staatsanwälte, Polizeichefs. Die Grundfesten der Stadt sollen erschüttert werden, dabei scheint er auch genaue Kenntnisse über die Verzweigungen von Politik und Unterwelt zu haben. Die grausam orchestrierten Taten werden über Rätsel und audiovisuelle Botschaften angekündigt, die an den Batman gerichtet sind. Um dessen Interesse auf sich zu richten, widmet er sich auch der Vergangenheit der ermordeten Wayne Familie und ihren Verstrickungen mit der anderen großen Familie Gothams, den Arkhams.

Und dann gibt es da noch die Diebin Selina Kyle (Zoe Kravitz), die offiziell in Pinguins Nachtclub arbeitet, unter ihrem Alias als Cat Woman aber auf der Suche nach ihrer vermissten Freundin ist. Jene ist in die schmierigen Fänge von Falcone geraten. Allerdings gibt es auch hier Geheimnisse, die Selena mit dem Syndikatsoberhaupt teilt. Die Welt von The Batman ist pessimistisch und wird nur in sehr raren Momenten in Comic Relief-Manier ironisch gebrochen. Die Moral von Gotham ist eine Brühe aus tiefschwarzen und graubraunen Schattierungen, die es so konsequenter noch nicht auf die Leinwand geschafft haben (außer vielleicht in Watchmen).

TIEFSCHWARZ UND BLUTIG ROT

Das spiegelt sich auch in den Bildern wider: Kein Batman Film ist dunkler als The Batman. Und kein Batman Film ist visuell spektakulärer. Die Sets sind wahnsinnig detailverliebt und ächzen Gotham aus jeder Pore: Während Nolan Gotham City sehr realistisch als moderne US-amerikanische Großstadt portraitierte, der man den Drehort Chicago jederzeit ansehen konnte und Burton die Stadt auf seine für sich typische Weise cartoonig-grotesk verzerrte, wirkt Gotham City bei Reeves mit seiner überwältigenden, neo-gotischen in Dauerregen gehüllten Architektur schmutzig, eng und düster.

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Die ekstatisch zuckenden Lichter der Nachtclubs schillern an der Oberfläche, wirken aber kalt und bedrohlich. Vor den spärlich beleuchteten Docks wabert das dunkle Gewässer. Und im Angesicht der klaustrophobisch anmutenden U-Bahn-Schächte könnte jeder Schritt der letzte unversehrte sein. Auch das Wayne Manor,  immerhin Bruce‘ Zuhause wirkt in seiner verschnörkelten Pracht alles andere als gemütlich. Die Tatorte des Riddlers wirken ähnlich schaurig durchkomponiert wie in den Fincher-Thrillern. In einer zentralen Szene orientiert man sich im Look am American Realism eines Edward Hopper, wenn man akribisch das Gemälde Nighthawks nachzukonstruieren versucht. Matt Reeves arbeitet mit hohen Kontrasten und dem visuell brachialen Zusammenspiel aus Rot-Schwarz-Kompositionen und häufig auch blendendem Weißlicht. In diesen Momenten kommt auch die Action gut zur Geltung: Die Choreografien wirken in allen Fällen on-point, wuchtig und fühlen sich nach roher Gewalt an, ohne dass der Film dabei sonderlich blutig ausfallen muss (immerhin fällt die FSK-Ausgabe mit „ab 12“ moderat aus). Der Batman wirkt immer wie eine furchterregende, beinahe omnipotente Naturgewalt, die über seine Widersacher hereinbricht. Im Schatten lauert er wie ein Raubtier, um dann über seine Beute herzufallen. Auch ein sonst so selbstüberzeugter Unterwelt-Boss wie der Pinguin empfindet im Angesicht dieser Kraft pure Angst. Passend dazu gibt es auch einen Moment, wo das Aufheulen des Motors vom im Dunkeln verborgenen Batmobil (in dem Fall ein modifiziertes Muscle Car) beinahe animalisch wirkt – Diese sehr physische, schnell abfolgende Hard Boiled-artige Action sorgt für deutlich mehr Intensität als in den teils recht steifen Vorgängern, zumal Sound, Bild und Schnitt hier immer eine deftige Symbiose ergeben. Die klobige Mechanik der Gadgets (wenn man von den High-Tech Kontaktlinsen mit integrierten Kamerasensoren absieht) sowie die reduzierten, funktionalen Kostüme betonen den rauen Look. Deshalb überzeugt The Batman auch als harter Actioner – Bei Tage hingegen strahlt der Film mit seinem farbarmen Blaufilter eine fast schon kränkliche Zerbrechlichkeit aus. Matt Reeves folgt einer klaren visuellen Linie, die sowohl Comic-Fans als auch reguläre Kinogänger: innen befriedigen dürfte. Auch auditiv überzeugt der Film – Die Filmmusik von Michael Giacchino lehnt sich an Noir- Oper- Klassik, dunklem Jazz und EBM an und evoziert Gefühle von Verlorenheit und Heimsuchung. Zentrales musikalisches Thema dürfte wohl eine Version von NIRVANAs „Something In The Way“ sein, in der Kurt Cobain seine temporäre Obdachlosigkeit besang. Gotham City mag kein gemütliches Obdach liefern, und doch scheint die Stadt die wahre Liebe von Bruce Wayne zu sein, wie es ihm Selina an einer Stelle unmissverständlich klar macht.

DURCHDACHTER CAST

Comic-Adaptionen stehen und fallen vielleicht mehr als andere Produktionen mit dem Cast. Und sowohl Paul Dano, als auch Robert Pattinson galten vorab vermutlich nicht unbedingt als DIE Fan-Favoriten. Gerade die Wahl von Pattinson rief einige Kritiker auf den Plan, die ihn immer noch in der Rolle von Vampir-Schönling Edward Cullen verhaftet sahen. Dass er mittlerweile zum beachtenswerten Charakterdarsteller gereift ist, blieb dabei gerne außen vor. Dabei ist Pattinson für mich der bislang stärkste Bruce Wayne, der es auf die Leinwand geschafft hat. Schlicht, weil er die neurotische Haltung des im Grunde PTSD-geplagten Charakters, die immer in der Figur angelegt war, am kompromisslosesten darstellt. Nacht für Nacht unterwegs zu sein, fordert eben körperlichen und geistigen Tribut. Das aber wurde bislang nur von Affleck mimisch und gestisch vermittelt. Paul Dano konnte schon immer sadistische Figuren mit einer seltsamen Zerbrechlichkeit spielen: Hier lohnt es sich seine Performance in 12 Years A Slave als rassistischer Aufseher Tibeats anzuschauen. Der Riddler bzw. Edward Nashton ist eine ähnlich Incel-hafte Figur, die gleichzeitig hochintelligent und geistig eingeschränkt wirkt und dadurch irgendwie furchterregend daherkommt. Dano schreit, tobt, wimmert und verhöhnt. Er verurteilt „die da oben“, die „Lügen des Systems“ und eben auch die Priviligiertheit von Bruce. Er kann im Grunde kein Mitleid hervorrufen, aber man versteht vor dem Hintergrund des Sturms auf das Capitol und von Bewegungen wie Q-Anon oder den Querdenkern, wie real solche Figuren in ihrer Logik sein könnten. Und auch die aufputschende und voyeuristische Rolle der Medien wird in der Figur gut aufgegriffen und setzt damit das Narrativ fort, das schon der Joker von Joaquin Phoenix auf schmerzhafte Weise spannte. Doch auch die Quasi-Nebenfiguren sind allesamt hervorragend besetzt: Zoe Kravitz spielt Cat Woman gleichermaßen verführerisch, hedonistisch und verwundbar. Jim Gordon wird von Jeffrey Wright sehr gesetzt und nüchtern gespielt und die Gangster-Riege um Falcone und Pinguin werden von John Torturro, und vor allem von Colin Farrell sehr unterhaltsam sinister gespielt. Fehlbesetzungen gibt es schlicht nicht, gleichzeitig spielt hier aber niemand niemanden an die Wand. Und das passt zur breit angelegten Erzählung, die das Fundament für ein funktionierendes Universum bildet.

WAS NICHT SO GUT FUNKTIONIERT

Wie man bislang gesehen hat, bin ich durch und durch angetan vom neuen Batman. Ich habe im Wesentlichen nur zwei kleinere Aspekte zu kritisieren: Die betreffen Dinge, die ich im Gesamtkontext stimmig finde, die m.E. allerdings stärker ausgearbeitet werden könnten. Die Rätseldesigns des Riddlers hätten mehrstufiger und komplexer ausfallen können, um die Intelligenz des Charakters zu verdeutlichen, und die eher simple Logik hinter den Taten zu kaschieren. Die Deduktionsfähigkeit von Bruce Wayne/Batman schien in diesem Zusammenhang zudem häufig mehr auf Deus Ex Machina-Mustern aufgebaut zu sein. Die Lösung ist einfach aufgepoppt, ohne dass vom Skript her Indizien sinnvoll vernetzt worden sind. Kurzum: Der Detektiv-Part des Films hätte stärker akzentuiert werden können. Eine weitere Komponente, die eher subbefriedigend ausgefüllt wurde, ist die Rolle von Selina Kyle bzw. Cat Woman. Sie passt gut in die moralisch graue Welt von Gotham City rein, und bei dem ganzen Testosteron-Geschwader ist es vielleicht auch sinnvoll, eine zwielichtige, aber starke Frauenfigur zu integrieren. Und auch die Amour Fou zwischen ihr und Batman funktioniert als Noir-Element des Films ganz gut. Doch gleichermaßen wird sie nicht stark genug mit dem Rest des Tableaus vernetzt. Es wird zwar durchaus versucht, den Bogen  über ihre Verwicklungen mit Carmine Falcone zu etablieren. Aber irgendwie wirkt das im Ganzen eher selbstzweckhaft, um die Figur unterzubringen.

FAZIT:

The Batman hat mir richtig gut gefallen und das in fast allen wichtigen Bereichen: Die Handlung ist breit angelegt, setzt aber das Fundament für ein vielschichtiges und lebendiges Universum. Gotham City eröffnet genügend Raum, um düstere Coming-of-Age Geschichte, unterkühlter Serienmörder-Thriller und spannendes Gangster-Drama zu sein. Mit dem Riddler hat man einen furchterregenden Antagonisten erschaffen, der sich als Figur von den bisherigen Batman-Leinwand-Widersachern emanzipieren kann. Die Detektiv-Geschichte von Jim Gordon, der sich im drogenverseuchten Gotham mit Unterweltbossen wie Falcone und Pinguin rumschlagen muss, ist ebenfalls gelungen. Dabei sieht The Batman auch noch verdammt schick aus: Die neo-gotisch anmutende Metropole ist dauerverregnet, schmutzig, eng und beklemmend. Die flackernden Neon-Röhren der Reklamen und Nachtclubs spiegeln sich in den dampfenden Pfützen wider. Dazu gesellt sich ein Soundtrack, der die Hoffnungslosigkeit des 90er Jahre Seattle-Sounds mit dunklen orchestralen und elektronischen Klängen vermengt. Einzig die Story um Selina Kyle bzw. Cat Woman hätte stärker mit der Haupthandlung vernetzt werden können, um die Figur nicht als eventuellen Ballast mitzutragen. Ansonsten aber neben Tim Burtons‘ Batman Rückkehr mein bisher liebster Ausflug nach Gotham City.

Fazit

Regie - 8
Drehbuch - 7.8
Visuelles - 8.5
Score/Soundtrack - 8
Cast - 9.5

8.4

Visuell opulente Neo Noir-Umsetzung von Batman, die inszenatorisch zwischen Saw, Zodiac und The Crow pendelt. Düster, kompromisslos und schwer unterhaltsam.

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