GC 2025: Zu Besuch bei SEGA – Sonic Racing: CrossWorlds – Überraschend komplexer Fun Racer, der mir im ersten Anlauf mehr Spaß bereitet hat als Mario Kart World

2025 scheint das Jahr der Fun Racer zu sein: Mit Mario Kart World hat sich der Genre-Primus nach 11 Jahren erstmals mit einem komplett neuen Teil auf der Switch 2 zurückgemeldet, nachdem MK8 Deluxe auf der Switch bloß eine erweiterte Fassung des Wii U-Originals von 2014 gewesen ist. Im November kommt mit Kirby Air Riders gleich der nächste Switch 2-exklusive Genre-Vertreter. Und auch im obskureren Bereich gibt es Vertreter: Microid liefert im September einen zweiten Teil zur Kart-Reihe mit dem Lasagne-liebenden Kater Garfield (Garfield Kart 2 – All You Can Drift) und selbst die Europapark-Maskottchen Ed und Edda haben zum dazugehörigen Film ein Lizenz Karting-Spiel spendiert bekommen, das auf den Namen Ed & Edda: GRAND PRIX – Racing Champions hört.

Wer aber ist schon immer der größte Konkurrent des italienischen Klempners gewesen? Richtig, SEGAs blauer Igel Sonic. SEGA hat mit der Sonic & SEGA All-Stars Racing Reihe etabliert, die es bis dato auf immerhin drei sehr gute bis solide Ableger gebracht hat. Nachdem beim letzten Teil Team Sonic Racing von 2019 aber ein wenig die Luft raus, steht nun mit Sonic Racing: CrossWorlds ein Teil in den Startlöchern, der die Formel auf ein gänzlich neues Niveau hievt, und damit Mario Kart World durchaus ernsthaftere Konkurrenz machen könnte.

Wir waren auf der Gamescom 2025 bei SEGA zu Besuch und haben uns Sonic Racing: CrossWorlds genauer angeschaut, bevor der Titel am 25. September 2025 offiziell für alle gängigen Systeme, inklusive der Last Gen-Plattformen erscheint. Warum ich recht begeistert bin, soll diese Preview erläutern. An dieser Stelle vielen Dank an Cosmocover für die Einladung.

Easy to learn, hard den Überblick zu behalten

CrossWorlds kann zu Beginn etwas überwältigen. Die Basics sind natürlich Fun Racer-typisch. Wir geben Gas, wir driften, wir nehmen Items auf und setzen diese möglichst strategisch ein. Wie schon bei Transformed verwandeln sich unsere Gefährte in Flug- und Wasserfähige Vehikel, wenn der Streckenabschnitt entsprechende Beschaffenheiten aufweist.

Wir können zudem Stunts (Air-Tricks) vollziehen, die dieses Mal ein bisschen kontrollierter ablaufen, als bei den beiden Vorgängern. Zudem ist auch die Boost-Mechanik bei CrossWorlds ein bisschen zugänglicher, weil der neue farbkodierte Ladebalken an der linken Seite hier die Übersicht erleichtert (Gelb Level 1, Magenta Level 2, Blau Level 3).

Mit den "Air Tricks" feiern die Stunts aus Sonic Riders gewissermaßen ein Comeback  © SEGA

Mit den „Air Tricks“ feiern die Stunts aus Sonic Riders gewissermaßen ein Comeback © SEGA

Warum also überwältigend? Zum einen ist das Tempo extrem hoch – Das ist natürlich etwas, was man von einem Sonic-Titel auch erwartet. Aber gerade wenn man von Mario Kart World kommt, wirkt der Nintendo-Spross wie ein gemütlicher Spaziergang im Vergleich. Hier haben wir WipeOut und F-Zero-artige Geschwindigkeiten auf dem Screen. Zum anderen heben sich die Items deutlich von den Vorgängern, aber auch vom Mitkonkurrenten ab.  

So können wir etwa die wirklich zahlreichen Fähigkeiten der kleinen Wisp-Kreaturen einsetzen: Der weiße Whisp etwa sorgt für einen sofortigen Boost, mit optionalem Tripple Boost. Der gelbe Wisp verwandelt uns in einen Bohrer, der schwarze beschwört eine Bombe, die zunehmend größer, und damit explosiver werden kann. Aber auch abseits der Whisper gibt es zahlreiche Items, mit denen wir unseren Gegner*innen schaden können. Wir können Magnete platzieren, oder Tornados erzeugen, welche die Mitfahrer*innen in ihren Strudel einsaugen.

Als alter Like A Dragon-Fan habe ich natürlich Ichiban Kasuga als Charakter gewählt  © SEGA (Foto von Aljona Plaxin aufgenommen)

Als alter Like A Dragon-Fan habe ich natürlich Ichiban Kasuga als Charakter gewählt © SEGA (Foto von Aljona Plaxin aufgenommen)

Die Symbole hier sind oft nicht unbedingt selbsterklärend, weshalb gerade die Anfänge für mich noch ein wenig mit Trial & Error verbunden waren. Aber die Items sind dann in ihrer Konzeption doch so anders als in MK, dass ich ziemlich cool finde, wie eigenständig und  ja, beinahe innovativ, CrossWorlds als Fun Racer ist.

Individualisierung als starker Faktor

Ich konnte mich auf der Gamescom natürlich nicht tiefgehend mit dem Individualisierungs- und Gadget-System befassen. Aber auch hier ist Sonic Racing: CrossWorlds auf den ersten Blick bemerkenswert komplex geraten.

Grundsätzlich gilt: Die Charaktere sind nicht mehr an konkrete Vehikel gebunden. Bei den Fahrzeugen können wir aus fünf Fahrzeugklassen mit unterschiedlichen Schwerpunkten wählen: Geschwindigkeit (Speed), Beschleunigung (Acceleration), Handling, Kraft (Power) und Boost. Erstmalig können Charaktere neben regulären Fahrzeugen, auch Extreme Gear nutzen. Der Fahrzeug-Typ kann für unterschiedliche Strecken ausschlaggebend sein, weil die sich schon deutlich in der Fahrweise unterscheiden.

Im finalen Spiel werden 45 Fahrzeuge verfügbar sein: Spielende können demnach verschiedene Teile kombinieren, um ihre Maschinen zu individualisieren: Von der Farbgestaltung, über Innenraum-Designs.

Natürlich sind auch zahlreiche klassische Sonic-Trademarks bei CrossWorlds mit von der Partie © SEGA

Natürlich sind auch zahlreiche klassische Sonic-Trademarks bei CrossWorlds mit von der Partie © SEGA

Und hier kommt das Gadget-System ins Spiel: Mit den ausrüstbaren Gadgets stehen zusätzliche passive Perks zur Verfügung. Sie geben Vorteile wie zusätzlichen Boost, Items, Ring-Magnetismus, man kann mit ihnen aber auch Chancen auf z.B. Boost- oder Attacken-Items erhöhen – in der Demo konnte man einzelne Gadgets installieren.

Mächtigere Gadgets benötigen hier wohl mehr Slots – so sind bis zu sechs Gadget-Slots freischaltbar. Außerdem könnt ihr für jedes Rennen nehmt eine Mod für euer Fahrzeug mit. Diese bestimmt anhand ihrer ausgewählten Bestandteile die Boni innerhalb des Rennens. So ist es beispielsweise möglich, das Rennen direkt mit einem Warp-Item zu starten, oder die Chance auf Boost-Gegenstände zu erhöhen und Attacken-Items wie den Boxhandschuh zu vergrößern.

Auch diese Punkte sorgen dafür, dass sich  CrossWorlds von einer bemerkenswert facettenreichen Seite zeigt, und dass hier durchaus auch strategische Finesse und Skill eine Rolle spielen.

Eine Prise „Rift Apart“: Sprünge in andere Welten

Erinnert ihr euch noch an die Dimensions-Sprung-Mechanik von Ratchet & Clank: Rift Apart? Sony hatte seinerzeit damit geworben, dass das on-the-fly Wechseln zwischen den Welten eine Next Generation-exklusive Sache sei und wollte damit der Kundschaft die Dominanz der PlayStation 5 vermitteln.

Eine Demo-Strecke führt uns durch eine urzeitliche Welt © SEGA

Eine Demo-Strecke führt uns durch eine urzeitliche Welt © SEGA

Sonic Racing: CrossWorlds setzt – der Name ist hier Programm – auf etwas Ganz ähnliches. Das Spiel enthält nämlich 24 Hauptstrecken und 15 CrossWorlds. Die CrossWorlds werden über Dimensionsportale in der zweiten Runde geöffnet und verändern die Strecken thematisch und Layout-technisch komplett. Sind die Levels bereits ohne diese Mechanik ziemlich abwechslungsreich – dynamisch rotierende Boost-Felder, Spots für Sprünge, Flug- und Wasserpassagen, die sich physikalisch, vor allem beim Driften, extrem stark voneinander unterscheiden – so sorgt das Portal-Element für noch mehr Diversität (und Spaß). Zugleich sehen die Portal-Sprünge auch noch verdammt schnieke aus, auch wenn mir beim Tempo und den vielen Effekten manchmal schier schwindelig wird.

Der Art Style ist Sonic-typisch recht eklektisch: So rasen wir mal etwa durch eine pre-historische Welt, die in bräunlich-grauer Farbpalette durch felsige und zerkluftete, von riesigen Dinosauriern bewohnte, Landschaften führt, nur im nächsten Moment passend dazu eine museale Level zu befahren, die mit Laserfallen und Rotoren gespickt ist. Und ein anderes Mal gibt es wieder futuristische Settings. Kurzum: Die hübschen Settings sind verdammt abwechslungsreich, passen gut in das Sonic-Universum rein, sind aber vor allem auch durch ihre Dynamik und die CrossWorlds-Mechanik visuell berauschend.

Umfangreiches Charakter-Roster

Doch damit endet das CrossWorlds-Konzept – also die sich überkreuzenden Welten nicht – denn das umfangreiche Figuren-Roster borgt sich neben Figuren aus dem eigenen SEGA/ATLUS-Portfolio auch andere IPs. Unter den Season Pass Collaborations-Charakteren befinden sich etwa Steve, Alex und ein Creeper aus Minecraft, SpongeBob und Patrick Star, sowie Pac-Man und die Geister. Aus dem eigenen erweiterten SEGA-Universum kann man Joker aus Persona 5, Ichiban Kasuga aus den jüngeren Like A Dragon-Ablegern oder Hatsune Miku spielen.

Als Yakuza/Like A Dragon-Freund habe ich natürlich in der Gamescom-Demo Ichiban Kasuga gewählt. Wie sich die einzelnen Charaktere in ihrem Fahrverhalten unterscheiden, konnte ich in der knappen halben Stunde aber nicht groß ausmachen. Dazu bedarf es eines größeren Tests.

Beim Launch werden voraussichtlich 23 Charaktere verfügbar sein, zusätzlich 10 Charaktere als DLC, 10 Charaktere werden über kostenlose Updates hinzugefügt, und weitere 8 als kostenpflichtige DLCs. Das macht in Summe 51 Charaktere, die spielbar gemacht werden.

Ich würde mir so sehr wünschen, dass nochmal Ryo Hazuki aus Shenmue als spielbarer Charakter mit an Bord ist.

Modi-Vielfalt

Während der Gamescom-Demo habe ich einen Blick in den Grand Prix-Modus sowie in den Race Park geworfen. Der Grand Prix-Modus ist natürlich das klassische Turnier-Format, wo es darum geht, in mehreren Runden auf Platz 1 zu gelangen.

Der Race Park ist team-basiert. Hier geht es nicht zwingend um Platz 1, sondern um spezifische Kriterien, die es für Punkte zu erfüllen gilt. Und hier gibt es wirklich eine ziemliche Fülle an Zielen: Etwa die meisten gemeinsam gesammelten Ringe, die intensivste Nutzung von Boost-Felder etc. – im finalen Spiel soll es wohl möglich sein, dass man diese Ziele für einzelne Sessions jeweils individualisieren kann.

Potential: Sehr gut!

Fazit:

Sonic Racing CrossWorlds hat nicht nur das Potential, der bisher stärkste Eintrag in SEGAs Fun Racing-Reihe zu werden. Ich lehne mich sehr weit aus dem Fenster und sage, dass der Titel das Potential hat, Mario Kart World ebenbürtig zu werden – und zwar aufgrund seiner gelebten Eigenständigkeit. Das immens hohe Tempo lässt den Nintendo-Konkurrenten wie einen gemütlichen Spaziergang erscheinen, die CrossWorlds-Mechanik mit den Dimensions-Sprüngen innerhalb der Strecken sorgt für Varianz und das hohe Maß an Individualisierungsmöglichkeiten bietet eine bemerkenswerte Komplexität für einen Fun Racer. Es ist tatsächlich weniger einsteigerfreundlich als ein Mario Kart, aber es passt zur SEGA DNA und könnte eine ziemlich gute Alternative sein. Potential: Sehr gut!

Sonic Racing CrossWorlds erscheint am 25. September 2025 für PlayStation 4, PlayStation 5, Nintendo Switch, Nintendo Switch 2, Xbox One, Xbox Series S|X und PC

 

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Sonic Racing CrossWorlds [Nintendo Switch]

Vorbestellen auf Steam:

Sonic Racing CrossWorlds [PC]