Game Review: Helldivers 2 für PC – Wenn Terminator auf Starship Troopers trifft

Ich muss zugeben, Shooter, die zwangsläufig im Multiplayer gespielt werden müssen, sind eigentlich gar nicht mein Fall. Schon mit dem Genre Liebling Destiny bin ich nie wirklich warm geworden, obwohl mir die Welt und auch die Lore durchaus gefallen haben. Helldivers 2 vom Entwicklerstudio Arrowhead Game Studios hat mich aber zumindest zu Beginn überzeugt. Wieso? Das erfahrt ihr in meinem kleinen Test. Eins vorweg, ich habe Teil 1 nie gespielt und werde mich daher hier auch nur auf den zweiten Teil beziehen.

Helldivers 2 ist vor wenigen Tagen für PlayStation 5 und den PC erschienen und stürmt jetzt schon sämtliche Charts. Die hauseigenen Server kamen mit dem Ansturm kaum zurecht. Kaum waren die Kapazitäten erhöht, waren sie gleich wieder ausgeschöpft. Es scheint, als sei das Spiel zu „erfolgreich“ für seine eigenen Server.

Starship Troopers lässt grüßen

Kennt jemand noch den Sci-Fi Kultfilm Starship Troopers? Der amerikanische Military-Science-Fiction-Actionfilm von Regisseurs Paul Verhoeven aus dem Jahr 1997 war eine hervorragende Persiflage auf den Militarismus und des Patriotismus der USA. Hier kämpften, vor allem junge Menschen, gegen Horden von gigantischen Alieninsekten (im Film „Bugs“ genannt), um unter dem Denkmantel der Demokratie und Freiheit die Galaxie von Bugs zu befreien. Helldivers 2 schlägt hier in dieselbe Kerbe. Als Fan des Sci-Fi Klassikers hab ich mich daher sofort „heimisch“ gefühlt. Das Spiel begrüßt einen mit einem Intro, das nur so von Sarkasmus und Ironie trifft. Uns wird erklärt, wie schön das Leben auf der „Super-Erde“ ist und dass die Menschen in Frieden und der besten Demokratie des Universums leben. Wären da nur nicht die Bugs. Ja, richtig gelesen. Helldivers 2 versteckt die Nähe zu Verhoevens Klassiker nicht. Auch hier werden wir uns in Kürze durch Horden von Bugs ballern. Zuerst einmal werde ich aber auf den Mars geschickt, um mich hier als sogenannter Helldiver ausbilden zu lassen.

Stets die Stimme eines patriotischen Generals im Nacken, absolviere ich nach und nach die ersten Aufgaben des Tutorials. Auch hier trieft alles vor ironischen Anspielungen. Immer wieder wird meinem Helldiver Rekruten erklärt, dass er oder sie zum Wohle der besten „gelenkten“ Demokratie agiert. Töte ich Bugs, bringe ich Frieden. Nach wenigen Minuten hat mir das Spiel alles erklärt, was wichtig ist. Ich schnappe mir noch eine Flagge, salutiere davor und bekomme dann feierlich meinen Helldivers Umhang überreicht. Und schon bin ich fertig ausgebildet und bereit, den Bugs Demokratie beizubringen.

Das eigene Schiff

Als zentraler Hub im Spiel dient mein eigener Überzerstörer (natürlich Über, ein normaler Zerstörer kann ja jeder), ein gigantisches Schiff, das mir auf dem Schlachtfeld durch verschiedenste taktische Gadgets das Leben erleichtert. Über meinen Armcomputer nehme ich später Kontakt zum Schiff auf und lasse mir beispielsweise ein Maschinengewehr liefern oder besorge Nachschub in Form von Munition und Heilungsspritzen.

Auf dem Schiff verwalte ich auch meine Missionen, kann durch das Schiffsmanagement meinen Zerstörer ausbauen und hier suche ich auch nach Teamkollegen. Denn Helldivers 2 ist ein Coop-Shooter und sollte daher möglichst nicht allein gespielt werden. Auf dem Schiff werde ich zunächst von meiner Kapitänin begrüßt, die mir mitteilt, dass mein Demokratiekommandant auf mich wartet, um mir meine erste Mission aufzutragen. Während ich durch das wirklich sehr schön gestaltete Schiff wandere, höre ich immer wieder kleine Audioschnipsel. Sei es Werbung für die Helldivers oder Ratschläge des Generals, der mich auf dem Mars während meiner Ausbildung begleitet hat. Das trägt wirklich immens zur Atmosphäre bei.

Ich begebe mich also zur Kriegskarte. Von hier aus plane ich meine nächsten Schritte. Im Universum tobt ein grauenvoller Krieg, der, wie soll es auch anders sein, unser aller Freiheit bedroht und wie mir die Missionbeschreibung auch eindringlich beschreibt: Meine zukünftigen Kinder werden wahrscheinlich tot sein, wenn ich nicht jetzt sofort ein paar Aliens töte.

Auf der Kriegskarte sehe ich, welche Teile der Galaxie bereits befreit sind und wo ich als Nächstes hin sollte. @ SONY

Halten wir fest. Witz und Humor hat Helldivers 2 auf jeden Fall. Die Grafik ist hübsch und die Umgebungen sind mit zahlreichen kleinen Details gespickt. Doch was kann der Coop-Shooter spielerisch?

Erste Aufträge

Über die Kriegskarte starte ich also meinen ersten Auftrag. Zumindest versuche ich das. Ich wähle einen mit Bugs verseuchten Orbit (oder einen, der mit gefährlichen Kampfrobotern überrannt ist) aus und wähle dort den passenden Planeten, der noch befreit werden muss. Hier kämpfen alle Spieler gemeinsam darum, alle Planeten zu befreien. Demnach gibt es kein PvP. Helldivers ist ein reiner PvE Shooter. Auf den Planeten stehen mir dann mehrere Aufträge zur Verfügung. Beispielsweise müssen wir Forscher evakuieren, genügend Gegner töten, Raketen betanken oder irgendwo eine Flagge hissen. Ja tatsächlich. Eine Flagge hissen befreit hier einen Planeten. Das klingt alles eigentlich recht abwechslungsreich, wäre das jeweilige Missionsgeschehen nur nicht so unfassbar unübersichtlich.

Ich entscheide mich für eine Welt, die von Kampfrobotern heimgesucht wird. Mein Auftrag ist es, 30 Forscher zu evakuieren. Nachdem ich mich durch zig Menüs geklickt habe, reißt mein Schiff in den ausgewählten Orbit. Der Schiffscomputer teilt mir mit, dass bereits verbündete Zerstörer in der Nähe sind, was darauf hindeutet, dass hier bereits weitere Teamkollegen bereitstehen, um mir zu helfen. Allein ist es zu gut wie unmöglich Helldivers 2 zu spielen, da man zwangsläufig mit anderen Spielern in einen Trupp gepackt wird. Es gibt zwar in den Einstellungen die Möglichkeit, die Suche nach neuen Mitspielern auf nicht öffentlich zu stellen, jedoch muss diese Einstellung jedes Mal erneut getätigt werden. Das macht das Solospiel doch etwas mühselig, abgesehen davon, dass der Schwierigkeitsgrad auch zu hoch ist, um allein auf dem Schlachtfeld zu bestehen.

Die Stimmung auf dem Schlachtfeld ist perfekt inszeniert. Dicht und packend. @ SONY

Ein Actionfilm zum Spielen

Auf dem Schlachtfeld angekommen, geht es nach wenigen Sekunden direkt los. Landungsschiffe fliegen über unsere Köpfe hinweg und lassen Roboter fallen. Eine Mischung aus AT-STs und T-100 fallen von allen Seiten über uns her. Wir versuchen uns mit Taktikausrüstungen, das sind quasi die Fähigkeiten der einzelnen Soldaten, schnellstmöglich bessere Waffen herbeizurufen. Die Atmosphäre ist unglaublich gut gelungen. Es ist ständig ein Kampf ums Überleben. Es regnet, es ist dunkel und durch aufkommenden Nebel sehen wir die roten Augen der Roboter. Überall surren Laserstrahlen an unseren Köpfen vorbei. Wir kämpfen uns nach und nach einen Weg durch die nicht endenden Horden von Gegnern, um endlich unser Ziel zu erfüllen.

Aber Moment, was war noch gleich unser Ziel? Ach ja, Forscher evakuieren. Doch wo sind diese Forscher? Oben rechts wird mir nur angezeigt das ich bisher 0 / 30 gerettet habe. Auf der Karte sehe ich kein Ziel. Nirgends sehe ich einen Anhaltspunkt, wo diese Forscher sind und was dann überhaupt zu tun ist. Ich sehe keinen Evakuierungspunkt. So packend wie die Action ist, so viel Spaß wie es macht, sich wie in den guten alten Action-Blockbuster der 80er durch Massen von Gegnern zu ballern, so frustrierend ist es, wenn nach Ablauf der Zeit die Mission scheitert, weil einfach niemand aus dem Trupp weiß, was zu tun ist und das Spiel einem auch nicht genau mitteilt, wo und was zu tun gewesen wäre. Am Ende scheitert sogar die eigene Evakuierung. Mein Trupp wird überrannt.

Die gefährlichen BOTs sehen aus wie eine Mischung aus T-100 und Droiden. @ SONY

Aber vielleicht war das ja nur ein Einzelfall, könnten einige von euch jetzt denken. Dann ist eben diese eine Mission ein bisschen verbuggt. Leider muss ich euch hier enttäuschen. Ein Großteil des Missionsdesigns ist wenig durchdacht. Das Spiel gibt einem so gut wie keine Anhaltspunkte.

Ein weiteres Beispiel anhand einer anderen Mission. Ich lande auf einem Wüstenplaneten, der von Bugs verseucht ist. Meine Aufgabe: An drei Punkten Flaggen hissen. Soweit so gut. Auf dem Planeten angekommen sehe ich auf der Karte zwar die Punkte, wo es die Flagge zu hissen gilt, doch dort angekommen gibt es keinen Indikator wie jetzt eine Flagge gehisst werden kann. Mein Trupp bleibt am Punkt stehen und wir wehren einen Haufen von Gegnern ab. Nach einiger Zeit taucht dann plötzlich eine kleine Anzeige, auf, die sich reichlich zäh zu füllen beginnt. Nach endlosen Minuten steht dann plötzlich die Flagge dort. Ich musste keinen Knopf drücken, keine Flagge besorgen. Nichts. Ich musste einfach eine sehr lange Zeit an einem Punkt stehen und plötzlich war die Mission erledigt. Anders als bei der Rettungsmission auf dem Roboterplaneten, konnte ich immerhin hier eine Mission zu Ende bringen. Dennoch bin ich auch jetzt noch, nach etlichen Stunden Spielzeit, immer noch völlig überfordert, wenn es darum geht herauszufinden, was wirklich zu tun ist. Oft ist es einfach Glück, dass ich eine Mission erfolgreich abschließe.

Am Ende bleibt ein bitterer Beigeschmack

Am Ende ist Helldivers 2 ein solider und auch spaßiger Shooter. Ich hatte tatsächlich viel Spaß, obwohl mir das Missionsdesign ordentlich auf die Nerven gegangen ist. Klar, es ist wirklich unglücklich, wenn man teils 30 Minuten ohne Ziel durch die Gegend läuft und Horden von Gegnern über den Haufen scheißt, um dann am Ende die Mission zu verlieren, weil wir eben das Ziel nicht finden. Aber hatte ich dabei trotzdem Spaß? Ja, hatte ich. Die Action ist so gut umgesetzt, dass ich teilweise einfach vergesse, dass ich eigentlich ein Ziel zu verfolgen habe (wahrscheinlich auf Kosten meiner Teamkameraden, sorry). Nach jeder Mission erhalte ich Erfahrung und schalte nach und nach neue Fähigkeiten und Waffen frei. Hier hätte ich mir zwar deutlich mehr Abwechslung gewünscht, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Übrigens, im In-Game Shop gibt es nur kosmetische Items. Ein dickes Plus dafür!

Fazit:

Helldivers 2 macht vieles richtig. Der Humor ist fabelhaft, die Schlachten fühlen sich wie ein Hollywood Blockbuster an und richtig gut aussehen tut es auch noch, auf den für den Artikel angefertigten Screenshots kommt die visuelle Brachialität gar nicht so richtig zur Geltung. Leider ist die Menüstruktur und vor allem das Missionsdesign ziemlich undurchsichtig. Sollten die Entwickler hier nachjustieren und an der Übersicht, sowohl UI-technisch, als auch auf dem unmittelbaren Schlachtfeld feilen, dann täte das Helldivers 2 enorm gut.  Gerade mit ein wenig mehr Varianz in Sachen Waffen- und Fähigkeitenbandbreite, könnte Helldivers 2 zu einem langfristigen Shooter-Hit werden, der für eine lebendige Community und viele Stunden Spielspaß sorgt. Man darf gespannt sein, was die Arrowhead Game Studios noch aus dem Hut zaubern.

Helldivers 2 kaufen:

Im Playstation Store [PlayStation 5]

Steam [PC]

Grafik - 8.5
Story - 6.8
Technik - 9
Umfang - 8.6
Spielspaß - 9.5

8.5

Solider Shooter Spaß mit einer unglaublich tiefen Atmosphäre und perfekt inszenierter Action.

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