Game Review: The Ascent – Cyber Heist DLC – Spaßig brachiale Ergänzung zum Hauptspiel, allerdings zu kurz

The Ascent war letztes Jahr ein ziemlich zweischneidiges Schwert für mich – Die schwedischen Entwickler*innen Neon Giant haben vor allem ein optisch famoses Debüt abgeliefert, das als Missing Link zwischen Cyberpunk 2077, Twinstick-Action á la Dead Nation und Diablo definitiv seine Daseinsberechtigung hatte. Doch dem wirklich gut fluppenden, wuchtigen Gunplay und den grafisch beeindruckenden Set Pieces stand eine strunzdumme, generische Geschichte entgegen.  Lieblos dahingewatschte Dialoge, profillos exzentrische Figuren und eher banales World Building haben mir den Titel ein ganz klein bisschen vermiest. Was wie gesagt schade ist, denn die grimmig-dystopische Welt von The Ascent (benannt nach der alles beherrschenden Firma, welche die sogenannte Arkologie autokratisch überwacht) sieht wirklich geil aus. Egal, das spielmechanische Fundament stimmt ja – Die Review zum Cyber Heist DLC setzt daher den Fokus klarer Weise auf die Spielmechanik (und nur ein kleines bisschen auf Narration).

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Schade, dass die tollen Kulissen nicht mit entsprechendem Story-Unterbau daherkommen © Neon Giant

Deshalb klären wir auch zunächst die Frage, was der DLC, der für 9,99 EUR erhältlich ist, überhaupt liefern will: Cyber Heist beinhaltet eine komplette neue Story Mission, diverse Nebenquests sowie einen Fokus auf Nahkampf/Melee-Combat. Um Zugang zu den neuen Inhalten zu haben, muss man das Hauptspiel einmal komplett durchgezockt haben. Glücklicherweise war das bei uns noch der Fall, weshalb wir uns gleich ins Getümmel stürzen konnten.

Auf der Suche nach Ruby

Cyber Heist setzt quasi unmittelbar am Ende von The Ascent an: Wir ziehen von der bekannten Arkologie Veles hin zu einem neuen Ort: The Dark Playground – Hier arbeiten wir für einen dauerwütenden im Cockney-Akzent vor sich hin fluchenden Typen, der uns beauftragt, eine Waffe namens The Ruby zu beschaffen. Diese Waffe ist quasi unser McGuffin, sie treibt die Handlung voran, ohne dass es einen weiteren Rahmen braucht. Der Dude schickt uns in eine neue Umgebung, wo wir das Ding finden sollen, bevor es in die Hände der Söldner/Securities der sogenannten Malhorst-Gelb Group gelangt. Die werden von Zell angeführt, einem furchteinflößenden Charakter, der sich vor allem durch sein wirklich verdammt großes Sniper-Gewehr profiliert.

Wir starten nun also mit unserem Helden aus der Hauptkampagne – Entsprechend aufgelevelt sind wir, vermutlich dürfte auch die ein oder andere Waffe bereits maximal aufgewertet sein. Wer nun aber denkt, dass man overpowered durch den DLC durchrushen kann, der irrt. Unsere Widersacher sind ebenfalls ordentlich stärker geworden – und statt sie brachial umzupusten, kratzen wir lediglich an deren Verteidigungswerten. Glückerlicherweise wissen Neon Giant, dass man als Spieler*in The Ascent vermutlich vor einer Weile zuletzt angeworfen hat, deshalb gibt es zu Beginn nochmal einen kleinen Reminder, wie die Augmentationen und Gadgets effizient genutzt werden können.

Wuchtig, praktisch, gut – Der Melee Combat Fokus steht The Ascent gut zu Gesicht

Direkt zu Beginn bekommt man allerdings bereits neue Nahkampfwaffen, namentlich das Katana und einen Vorschlaghammer. Da wir vermutlich genügend Komponenten aus dem vorherigen Spieldurchgang beisammen haben, sind wir gut beraten, unsere beiden Melee-Optionen umgehend auf das Maximum upzugraden. Damit können wir die Gegner zu Beginn auf befriedigende Weise zusammensmashen, oftmals sogar per One-Hit-Kill. Größere Gegner und Bosse benötigen natürlich wesentlich mehr Skill, im Großen und Ganzen bleibt das Gameplay aber gewohnt physisch – Hier glänzt The Ascent: Cyber Heist erneut mit wuchtigem, sehr befriedigendem Trefferfeedback. Natürlich funktioniert auch der Fernkampf noch, allerdings muss man sich hier nochmal mit dem cleveren Deckungssystem auseinandersetzen, um keinen schnöden Tod zu sterben.

Kompaktes Vergnügen

Die Story Mission des DLCs ist ziemlich schnell um – Bis man den Endboss konfrontiert, dürften nicht viel mehr als drei Stunden vergehen. Die drei Stunden kommen wohlgemerkt auch mit dem Erfassen der Lernkurve zustande. Denn der erhöhte Schwierigkeitsgrad fordert gerade zu Beginn noch ein paar Tode, welche die Spielzeit entsprechend verlängern. Es gibt natürlich einige coole denkwürdige Shoot/Smash-Outs und paar nette Eyecatcher, aber selbst mit den kaum bemerkenswerten Nebenmissionen wird man das Spiel in 4-5 Stunden komplett durchhaben, wenn man nicht wirklich jeden Loot hunten will.

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Die Welt von The Ascent ist gewohnt dreckig – Da macht auch der neue Schauplatz keine Ausnahme © Neon Giant

Optisch bleibt The Ascent gewohnt hochwertig – Es gibt gerade während der intensiven Kampfpassagen ausschweifende grafische Exzesse, bei denen der Bildschirm prall gefüllt mit Gegnern und Zivilisten ist, während wir mit unseren Gadgets krasse Kettenreaktionen in Gang setzen und ein grafisch imposantes Massaker veranstalten. Ein großer Kritikpunkt ist allerdings, dass The Dark Playground entgegen des düsteren Namens fast genauso ausschaut wie schon Veles. Hier hätte ich mehr optische Variation gewünscht, denn so wirkt es, als hätte man einfach liegengebliebene Assets für das DLC verwendet.  Dafür ist aber das Leveldesign hervorragend und weitläufig, wenngleich die Karte wie schon beim Hauptspiel gewöhnungsbedürftig bleibt.

Fazit:

Für alle, die The Ascent geliebt haben, gibt es eine klare Empfehlung. Der DLC ist fordernd und macht mit seinen brachialen Nahkampf-Exzessen eine Menge Spaß. Spielmechanisch und optisch ist The Ascent also nach wie vor eine Bank. Alle anderen brauchen Cyber Heist allerdings nicht zum Anlass nehmen, es nochmal zu versuchen, denn im Grunde krankt das Spiel an denselben Fehler wie das Hauptspiel: Optisch grandios, dafür eine Ecke zu uninspiriertes Art Design. Das Writing ist eher fade und vor allem ist der Umfang eine ganze Spur zu kompakt. Die fälligen 9,99 EUR sind gerade noch in Ordnung, für das was geboten wird, tendenziell aber schon ein bisschen grenzwertig.

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The Ascent: Cyber Heist DLC [PC]

Grafik - 9.5
Story - 3
Technik - 8
Umfang - 5
Spielspass - 7.5

6.6

Spielmechanisch und optisch super, narrativ eher meh. Wer The Ascent mochte und willig nach mehr giert, darf zuschlagen. Wer das erste Spiel schon nicht durchgezockt hat, kann auch hier eher die Finger von lassen.

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